Wettbewerb Försterpark Zell am Ziller

PROJEKT: Försterpark  Zell am Ziller
ORT: Zell am Ziller, Tirol
STATUS: Wettbewerb

 

ERLÄUTERUNGSBERICHT

 Die österreichische Bundesforste AG beabsichtigt das bestehende Wohnhaus auf GP 354/26 in Zell am Ziller abzubrechen und ein neues Gebäude zu errichten.

Die Parzelle ist in eine von Einfamilienhäusern dominierte Umgebung eingebettet. Angrenzend befinden sich außerhalb des Quartiers Zellfeldstraße – Bahnhofstraße, freie Flächen, als auch größere Gebäudevolumen des Freizeitparkes und der Tourismusfachschule.

Auf der  GP 354/26 wird nach Rücksprache mit der Baubehörde eine Bebauung von E + 2 möglich sein, darüber hinaus wird es keine Zustimmung des Gemeinderates geben.

Der Entwurf sieht vor, das Grundstück insofern auszunützen, als dass über die gesamte Tiefe der Parzelle ein zweihüftiger Baukörper entsteht.

Das Gebäude ist in Hybridbauweise geplant.

Das tragende Gerüst besteht aus  Stahlbetondecken und Säulen.

Das Achsraster folgt streng dem Raster der Tiefgarage bis zur letzten Decke in gerader Richtung in gleichbleibendem Achsmaß, um so ein einfaches und kostengünstiges Tragsystem zur Verfügung zu haben.

Die nicht tragende Hülle des Gebäudes ist als echte Holzriegelfassade vor die tragende Struktur gehängt. Es wird somit eine echte, nachhaltige und ökologisch wertvolle Fassade aus gebürsteter heimischer Lärche errichtet.

Das Tragsystem ist so gewählt, dass eine vielschichtige Variante von Wohnungen planbar ist. Garconnieren, 2 Zimmer Wohnungen, Schülerwohnungen und größeren Wohnungszusammenlegungen sind jederzeit möglich. Einige Grundrissbeispiele wurden dargestellt, eine Vielzahl an Varianten ist möglich.

Die Trennwände zwischen den Wohnungen können auf Grund des gewählten statischen Systems auch als Trockenbauwand in der Klasse EI90 mit einer Wandstärke von 215 mm errichtet werden.

Das grundsätzliche haustechnische Konzept ist so gewählt, dass standardisierte und vorgefertigte Bäder lagemäßig entlang zweier Achsen nahe dem Erschließungsgang so gewählt wurden, dass eine Vielfalt von möglichen Grundrissen mit dieser „Haustechnikachse“ möglich sind. Die Bäder sollten vorgefertigt auf die Baustelle geliefert werden können.

Funktional sind das Erdgeschoss für Büro und Wohnzwecke gedacht, die Obergeschosse nur für Wohnen, wobei hier ein System gewählt wurde, dass größtmögliche Flexibilität in der Grundrissgestaltung erlaubt.

Die beiden Obergeschosse sind mittels einem innenliegendem Gangbereich erschlossen, der zusätzlich zu seiner Funktion der Erschließung auch zum Verweilen und zum Austausch einlädt. Der Försterpark ermöglicht hier in einem innenliegenden Quartiersbereich den Austausch zwischen Schülern, Mitarbeitern von Unternehmen, und anderen Mietern und wird den sozialen Zusammenhalt sowie die Kommunikation stärken.

Lange beängstigende Gänge und „dunkle Ecken“ werden dadurch vermieden.

Der  Kommunikationsgang wird je nach Grundrisswahl in der späteren Planungsphase größer oder kleiner bleibt aber immer erhalten.

Dieser Vorbereich ist zweistöckig gedacht und mit Bepflanzung ausgestattet um ein angenehmes Raumklima im Försterpark zu erzeugen.

Die Verglasung ist mit Photovoltaikelementen abgeschattet, nach oben hin erfolgt eine Durchlüftung mit Temperaturfühler.

Brandschutztechnisch ist die Garage und die entsprechenden Nebenräumen einen Brandabschnitt, ebenso sind die einzelnen Geschosse durch die Stahlbetondecken und die auskragenden Balkone als Brandabschnitte zu sehen.

Das Stiegenhaus ist betoniert und somit der brandschutztechnische Kern des Gebäudes, ein sicherer Fluchtweg ist gegeben.

Das Gebäude ist in die Gebäudeklasse 3 oder 4 einzustufen, die Holzfassade kann gemäß OIB Richtlinie 2 Pkt. 3.5 und ÖNB 2332 4.2.4 einfach errichtet werden. – siehe Referenzbauten

TECHNISCHER BERICHT

Bauwerk Rohbau

  • Tiefgarage, Decken, Statisches Gerüst, Stiegenhaus:

Stahlbetontragwerk

  • Fassade

Vorgehängte und hinterlüftete Holzriegelfassade

Bauwerk Technik

  • Försterpark Zell am Ziller wird als NULLENERGIEHAUS im PASSIVHAUSSTANDARD errichtet
  • Errichtung Gebäude mit Heizwärmebedarf kleiner 23,0 kWh / m² als Passivhaus
  • Geheizt wird mittels Luftwärmepumpe mit Photovoltaikanlage zur Abdeckung des Stromverbrauches mit Einspeisung in das Stromnetz
  • Kontrollierte Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung ergibt eine geringe Kostenbelastung der Mieter für Heizen und gleichzeitig höchste thermische Behaglichkeit
  • Die Energieperformance ist so gewählt, dass nicht von einer Heizung zu sprechen ist, sondern von der Abdeckung der erforderlichen Restwärme
  • Ganzjähriger Komfort wird mittels hochdämmenden Außenbauteilen und speicherwirksamen Bauteilen im Inneren erreicht
  • Warmwassererzeugung erfolgt je Wohnung mit einem Elektroboiler, hierfür wird auch ein Teil der Photovoltaikanlage für die Stromerzeugung genutzt.
  • Betriebskosten werden durch die Wahl der Dämmung im höchsten energetischen Standard und Heizung mit Luftwärmepumpe sowie der Errichtung einer Photovoltaikanlage gering gehalten, sodass von bei der geplanten thermischen Qualität von einer nachhaltigen, ökonomischen und ökologischen Energieperformance ausgegangen werden kann

Bauwerk Ausbau

  • Fassade

Holzriegelbau – sichtbar Lärche gebürstet

  • Bodenaufbau

Tiefgarage: Asphalt auf Bodenplatte oder Bodenplatte flügelglatt

Erdgeschoss: Holzboden, Estrich, PE Folie, EPS T 650 TSD, EPS WLG, Styroloseschüttung, Stahlbeton, Tektalan 15 cm

Zwischendecken:

Holzboden, Estrich, PE Folie, EPS T 650 TSD, Styroloseschüttung, Stahlbeton

Dachaufbau:

Duodach ( 20 cm EPS Plus/ 6 cm XPS)

Kies, Vlies, XPS 60 mm, Elastomerbitumen 2 lagig, EPS WLG im Gefälle, Dampfsperre, Stahlbeton

Verglasungen:

U Wert Glas 0,6 W/m²K – siehe Gutachten FIBY / SAILER

Wandaufbau:

Holzriegel hinterlüftet

1x 12,5 mm Gipskarton, Ständerwerk mit MW, OSB Platte, Holzriegel mit Klemmfilz, AGEPAN DWD, Holzlattung, Hinterlüftung, Holzfassade- Lärche gebürstet

Aussenanlagen

Vorbereich zu Büro

Gestaltete Oberflächen mit der Thematik Wald, Wasser, Stein

Säulen werden mit Baumstämmen verkleidet, der Zugang in den Försterpark erfolgt durch einen künstlerisch gestalteten „Zugangsraum“ zum Thema Wald.

Spielplatz

Der Spielplatz wird mit den notwendigen Geräten ausgestattet

Abtrennungen zwischen unterschiedlichen Einheiten im EG

Die Abtrennung erfolgt mittels Hecken mit Blühfolge

ENERGIE BERICHT

 Das Bauvorhaben wird mit einem Heizwärmebedarf HWBRef,RK von ≤ 23,0 kWh/m² als Passivhaus im Sinne der Wohnbauförderung errichtet, erfüllt also höchste energetische Standards.

Durch den gewählten Dämmstandard in Verbindung mit einer kontrollierten Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung ergibt sich eine geringe Kostenbelastung der Mieter für Heizung, und gleichzeitig höchste thermische Behaglichkeit.

Die Energieperformance des Gebäudes ist so gut gewählt, dass man nicht mehr von einer klassischen Heizung spricht, sondern von einer Anlage zur Abdeckung der erforderlichen Restwärme. Konkret soll für die Beheizung eine Luftwärmepumpe ausgeführt werden, Wärmeabgabe in den Wohnungen erfolgt über die

Fußbodenheizung.

Thermische Behaglichkeit ist über die Jahreszeiten differenziert zu betrachten – im Winter wird über Beheizung die gewünschte Raumtemperatur erreicht, während des Sommers ist es Aufgabe ohne zusätzliche mechanische Kühlung angenehme

Raumtemperaturen zu erzielen. Die gewählte Planung mit massiven Innen-Bauteilen an Wänden und Decke mit sehr hoher speicherwirksamer Masse, und auskragenden Balkonen mit natürlicher Verschattung der Fenster führt während der Sommer -monate dazu, dass zusätzlich zu den geplanten Verschattungselementen an den Balkonen kein zusätzlicher Sonnenschutz erforderlich ist – dies ist wiederum als

Bindeglied zur Ökologie zu betrachten.

Die Außenwand wird bewusst in Holz-Riegelbauweise gewählt. Da diese überwiegend aus Dämmung und Holz besteht, besitzt diese einen sehr guten Wärmeschutz um den Heizwärmebedarf zu reduzieren. Bei geplanter Hybridbauweise sind also massive und Holzbauteile bewusst situiert und kombiniert, speicherwirksame Bauteile im Inneren, und hochwärmedämmende an  Außen-bauteilen, um so ganzjährig thermischen Komfort zu erreichen. Die  Warm-wassererzeugung erfolgt je Wohnung mit einem Elektroboiler, zusätzlich wird eine Photovoltaikanlage für Stromerzeugung ausgeführt. Dieses System ermöglicht ohne jegliche Verteilverluste betriebskostensparende Warmwassererzeugung.

Zusammengefasst kann festgehalten werden, dass das Gebäude nach höchstem energetischem Standard als Passivhaus im Sinne Wohnbauförderung errichtet werden soll, um so Betriebskosten so gering als möglich zu halten. Die Beheizung des Gebäudes mit Luftwärmepumpe und Fußbodenheizung kombiniert mit Elektroboilern und einer Photovoltaikanlage kann bei gegebener thermischer Qualität ökonomisch als auch ökologisch bezeichnet werden.

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